Alles. Für Dich. Für Mich.

Was für die GenZ das Internet ist, war für ‚meine‘ Generation X das Fernsehen. Wohl kaum ein anderes Medium hat uns so geprägt, und beeinflußt.
Als Jugendlicher hatte ich einen ganzen Schrank voller pastellfarbener Anzüge, die Sonny Crockett in Miami Vice trug, und passende Musik von Jan Hammer dröhnte aus meiner Stereoanlage.
Aber auch unser zwischenmenschliches Zusammenleben hat das Fernsehen verändert.

Teenager sind besonders beeinflußbar. Auf der Suche nach Puzzleteilen für die eigene Indentität orientiert man sich an Beispielen aus dem Umfeld. Eltern verlieren ihren Status als Vorbild, und andere besetzen diese Plätze. Im besten Fall Freunde, die einen vorbildlichen Lebenslauf haben. Eindrücklicher jedoch Medien mit ihrem immer währenden Informationsfluß, und dabei besonders virtuelle Menschen in erfundenen Szenen.
Heute sind TicToc, Insta & Co. die Informationsquelle für Heranwachsende. Meiner Meinung nach ein toxischer Trend im Vergleich zum damals fast schon unschuldigen Fernsehen. Doch selbst daß hatte „Schäden“ angerichtet. Bei mir, und vielen anderen Menschen meines Jahrgangs. Dabei meine ich jedoch nicht modische Trends wie Schulterpolster, Vokuhila, und Joggingjeans.

Zwischenmenschliches veränderte sich. Oft nicht zum Vorteil. Pam von Dallas hat uns beigebracht einen partnerschaftlichen Streit bestenfalls so zu beenden, indem man tief beleidigt, und Zimmertüren zuschlagend einen Raum verläßt. Jean-Claude van Damme, Sylvester Stallone, und anderen Action-Stars haben mich gelehrt, daß Männer stark sein müssen, keiner Konfrontation aus dem Weg gehen dürfen, und daß man(n) seinen Argumenten durch körperliche Gewalt Nachdruck verleihen darf. Uns wurde beigebracht, daß es besser war „cool“ zu bleiben, als mitfühlend und empathisch zu sein. Das man selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist, und andere, die nicht mithalten konnten, meist bedauernswerte, unfähige Opfer sind.

Auch Liebe & Partnerschaft hat sich durch Kino & Fernsehen verändert. Während man in der Vergangenheit auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten von der Familie verkuppelt worden ist, wurde erstmalig mit Heimatfilmen, später durch romantische Komödien aus Hollywood, ein anderes Beziehungsstarter-Modell salonfähig.
Wie bei ‚Pretty Woman‚, dem ‚Prinz aus Zumunda‚, ‚Bodyguard‚, oder ähnlichen zum Teil trashigen Filmen war nicht mehr Planung, und Vernunft der Auslöser einer partnerschaftlichen Verbindung, sondern Zufall, und Liebe auf den ersten Blick. Die romantische Vorstellung, daß zwei Menschen sich im Supermarkt über den Weg laufen, und dann für den Rest des Lebens eine immer währende, glückliche Beziehung fern aller Alltagsprobleme führen, hat sich auch bei mir manifestiert. Dabei ist diese sehr romantische Vorstellung meiner Meinung nach aus dem Blickwinkel von Frauen erzählt.
Mädels, bitte klärt mich auf: Aber ist es nicht so, daß gesehen auf die Gesamtbewölkerung der Erde, eher ihr dazu neigt, über jede Beziehung ein wenig romantischen Engelsstaub zu verstreuen? (sorry dafür, aber als schwuler Mann fehlen mir die Erfahrungswerte😎). Wie dem auch sei: Ja, auch ich habe mich von diesem Ideal anstecken lassen. Ein Fakt, der meiner Meinung nach mit der evolutionistischen Verbindung zweier Personen leider überhaupt nicht übereingeht.

Wie Männer, und/oder Frauen sich tatsächlich verlieben, konnte ich trotz Recherche im Internet nicht sicher erklären. Kein Mensch gleicht dem anderen, und es wird viel an individuellen Vorlieben liegen. Dennoch lassen sich Trends erkennen.
Meine Erfahrung bezieht sich auf Männer. Entgegen der romantisierten Darstellung in Film & Fernsehen, steht bei der Begegnung von Männern mit potentiellen Beziehungs-Opfern nicht primär die romantische Liebe im Fokus, sondern der Fortpflanzungstrieb. Ich glaube, daß Männer in erster Linie sexuell von einer/m Partner/in angesprochen werden. Bestenfalls merkt man nach dem wiederholten Austausch von Körperflüssigkeiten, daß die betreffende Person auch in anderen Belangen gut zu einem paßt, die gleichen Hobbies, und Interssen hat, und einem charakterlich, intellektuell, und mental ähnlich ist. Meiner Erfahrung nach sind das die Beziehungen, die am beständigsten sind.

Warum in den meisten Filmen Beziehungen zwischen zwei Personen romantisch verklärt werden, hat, neben der Prüderie in den USA, vermutlich monetäre Gründe. Wie bei den Heimatfilmen der Nachkriegszeit wird unser ideales Bild einer Beziehung dort gezeigt. Ein Bild, daß nicht weh tut, und das jeder gerne sieht. Bestenfalls wird das Thema Sex in den Filmen komplett ausgeblendet, oder nur sehr spärlich gestreift. Gerade aber bei Männern spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle, und ist meines Erachtens nach der Initialzünder dafür, daß ein Mann eine/n Partner/in überhaupt erst anspricht.
In der stark sexualisierten Medienlandschaft von heute sind es viele leid laufend mit den Thema konfrontiert zu werden – verständlich. In Filmen jedoch nicht zu zeigen wie, in diesem Fall, Männer ticken, vermittelt geraden jungen Menschen, die in ihrer Entwicklung Orienierung suchen, ein verfälschtes Bild der Realität. Bei mir war es so.

Die Folgen

Es dauerte lange bei mir, bis ich erkannte, daß das Beziehungsidealbild der Medien falsche Vorstellungen für ein Partner bei mir hervorgerufen hat. Nicht nur, daß mir dadurch vermittelt worden ist, daß ein Partner im Leben das unabdingbar anzustrebende Non+Ultra ist, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Auch ein 100%-Match mußte es sein. Ein Partner, der alles in sich vereint, was man sich erträumt. Ein Mr. Perfect, der aber so unwarscheinlich ist, wie ein hoher Lottogewinn. Bei solch hohem Anspruch verliert der schönste Mensch an seiner Seite schneller den Glanz als ein frisch geputztes Fenster in einem Sandsturm. Vielleicht auch der Grund, warum Partnerschaften in der heutigen Zeit immer unbeständiger zu sein scheinen?

Für mich habe ich festgestellt, daß ich zwischen drei Kategorien entscheiden kann, die in der Regel keine Berühungspunkte miteinander haben:

  • Männer, die mich sexuell ansprechen
  • Männer, die ich wunderschön finde
  • Männer, mit denen ich mental, und/oder freundschaftlich harmoniere

Vielleicht wäre es besser, Filme wären ehrlicher. Vielleicht wäre ein Popcorn-Abend vor dem TV dadurch aber auch weniger kuschelig?
Ich fände ich es wünschenswert, man würde junge Menschen besser auf die Realität vorbereiten. Würde ihnen nicht durch eine einseitige Darstellung Ideale vorgaukeln, die im richtigen Leben eher selten vorkommen. Ein offener Austausch zwischen jüngeren und erfahrenen Menschen würde es sicher einfacher machen, die medial gesammelten Daten in ein realitätsnahes Bild gerade zu rücken – auch, wenn es leider total unromatisch ist.

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