Alles. Für Dich. Für Mich.

Kennt Ihr das auch?

Manchmal erschrecke ich über mich. Bei manchen Meldungen aus den Medien breiten sich in mir unschöne Gedanken aus. Gefühle entstehen, bei den ich jedoch weiß, daß sie falsch sind. Meinungen, die zu kurz greifen. Deswegen, weil das Leben in der Regel komplizierter ist, um es mit einfachen Lösungen glatt bügeln zu können.

Ich weiß das. Und trotzdem passiert mir das immer wieder!

Die Wahlen in Sachsen-Anhalt waren so ein Auslöser. Ich gebe zu: Seit dieser Zeit übe ich mich in medialer Enthaltsamkeit. Wenn man permanent mit schlechten Neuigkeiten beschossen wird, nimmt die mentale Gesundheit schaden. Deswegen vermeide ich es, Nachrichten zu konsumieren. Weder im Fernsehen, noch im Internet. Gelegentlich über Mastodon, oder über Gespräche bekomme ich etwas vom verrückten Weltgeschehen mit. Das reicht vollkommen.

Als die Landtagswahl in dem o. g. ostdeutschen Bundesland näher rückte, war das anders. Mit Entsetzen mußte ich steigende Zuspruchswerte für eine Laut dem Bundesverfassunsgericht erwiesen rechtsextremistische Partei beobachten. Schlimmer jedoch waren die dazugehörigen Straßen-Interviews, die mich besonders verärgerten. Wut, Ärger, und Unverständnis kochten in mir hoch. Gefühle, mit denen ich die Bewohner dieses Landes im Geiste überzog. Und unsere Institutionen. Und die Menschen im Allgemeinen.

Gefühle wie:

  • „Diese undankbaren Ossis! Da zahlen wir Wessis jahrelang einen Solidaritätszuschlag zum Aufbau des Ostens, und bekommen dafür eine Diktatur von den Leuten dort geschenkt!“
  • „Dieses Bundesverfassungsgericht ist zu nichts zu gebrauchen. Dort schaut man dem Treiben dieser Partei einfach zu, ohne einzugreifen. Bestimmt sind die Richter dort einfach zu faul, um diese Sache anzugreifen!“
  • „Die etablierten Politiker treiben mit ihrer Politik die Wähler absichtlich in die Arme von extremistischen Parteien. Wie kann man nur so blöd sein?“

Das ist nur eine kleine Auswahl. Die Liste wäre vermutlich beliebig erweiterbar. Ganz davon abgesehen, daß einem diese persönliche Aufregung keinen Schritt weiterbringt, erschrak ich über meinen eigenen Drang dazu, komplizierte Vorgänge zu vereinfachen, und einen schnellen Schuldigen für komplexe Zusammenhänge zu finden. Denn normalerweise mag ich (wie schon in einem anderen Beitrag erwähnt) keine Verallgemeinerungen. Doch die Verlockungen sind groß. Je nach Tagesform entscheidet mein innerer Dr. Jekill, oder Mr. Hyde darüber, ob, oder in wie weit, jemand Schuld an einem Problem hat.

Das ist gefährlich. Wenn man nicht aufpaßt, kommt man so schnell in eine Schiene, die den kritischen Geist im Kopf mundtod macht. Angefeuert von Populisten fällt es nur allzu leicht, Widersprüche, und Fragen auszublenden. Bis man sich versieht, findet man sich als Mr. Hyde zusammen mit anderen Menschen auf einem Rathausplatz wieder, und skandiert Parolen gegen Ausländer, Queere, Politiker, Ostdeutsche, oder eine andere Personengruppe, die man als Schuldige für ein Problem ausgemacht hat.

Zum Glück gibt es noch andere Nachrichten. Die, die einem zeigen, wie viele Menschen sich gegen das erneute Aufkeimen des Rechtsnationalismus stemmen, auf die Straßen gehen, oder sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für einen demokratischen Diskurs einsetzen. Nachrichten über gut funktionierende Institutionen im Staat, und über engagierte Politiker.
Es gilt, weiterhin wachsam & aufmerksam zu sein, kritisch zu hinterfragen, aber auch das zu sehen, was gut läuft. Es gibt immer zwei Seiten. Entscheiden wir uns für die positive!

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