Alles. Für Dich. Für Mich.

Feministinnen müßten eigentlich Amok laufen: Das feminine Relativpronom wird laufend in der Öffentlichkeit für Negativ-Content verwurstet. Das ist wirklich ein Skandal!

Mir geht das auf die Nerven. Deswegen, weil ich Verallgemeinerung nicht ausstehen kann.

Man entkommt diesem Phänomen nicht. Nicht einmal dann, wenn man sich in digitaler Abstinez übt. Ein unverfängliches Gespräch mit einem anderen Menschen reicht bereits…

Dort erfährt man, daß der Spirt nur deswegen so teuer ist, weil DIE da oben schlecht mit unseren Steuergeldern umgehen. Das viel Geld für DIE Ukrainer ausgeben wird, damit DIE es zum Kampf gegen DIE Russen verwenden können. DIE Bevölkerung bekommt davon aber nix mit, weil DIE Journalisten (…alles natürlich linke Bazillen…) uns diese Informationen vorenthalten.
Auch DIE Arbeitgeber verarschen uns den ganzen Tag. Obwohl es natürlich stimmt, daß DIE Grundsicherungsempfänger, und DIE Arbeitslosen zu unrecht Geld von uns erhalten. DIE Arbeitnehmer sind faul, DIE Ausländer faul und kriminell, und DIE im Osten sind alle Nazis. Das alles haben uns DIE Experten bestätigt.

Diese Argumentation höre ich oft. Meist von Menschen, die nicht Willens sind, sich über ein Thema zu informieren, bevor eine unumstößliche Meinung darüber in der Öffentlichkeit verstreut wird. Gerade von Populisten wird dieses Verfahren der öffentlichen Manipulation gerne genutzt, und offenkundig auch dankbar angenommen. Deswegen, weil wir verlernt haben, nachzufragen.

Besonders schade finde ich es, daß auch in seriösen Medien davon gebraucht gemacht wird. In Nachrichten der öffentlich rechtlichen Medien hören ich oft, daß DIE Russen DIE Ukrainer angegeriffen haben. Klar geht es hierbei nicht darum, eine inhomogene Bevölkerungsgruppe in einen Topf zu schmeißen, sondern eher darum, kurz und knapp zu berichten. Verständich. Sendezeit ist teuer, und jeder Tag hat so viele Neuigkeiten, daß man diese nur mit Mühe in 15 Minuten pressen kann.
Dennoch: Ich befürchte, daß durch diese auch oft ungewollte Verallgemeinerung ein Zerrbild einer Personengruppe entsteht, welches in der breiten Masse nicht mehr differenziert wahrgenommen wird. In meinen Augen eine gefährliche Entwicklung. Vor allem dann, wenn diese zu politische Handlungen führt, die negativen Einfluß auf normale Personen in normalen Alltagssituationen hat.

Die „woke“-Debatte ist ein Ergebnis davon. Oder die Negativ-Publicity, die gegen Parteien wie DIE Grünen vor einigen Monaten gestreut wurde. Offensichtlich ist dieses Phänomen bei Umfragen, die von mutigen Menschen bei Veranstaltungen der AfD durchgeführt werden. Oftmals werden dort Kernaussagen der Partei wie „DIE Asylanten sollen alle sofort abgeschoben werden!“, oder „Alle Windräder sollen abgebaut werden!“ von den Befragten selbst relativiert. Der Grundtenor jedoch bleibt, und vergiftet das gesellschaftliche Miteinander. Eine in meinen Augen schlimme, und gefährliche Entwicklung.

Schön wäre es, Menschen würden wieder lernen, aufeinander zu zugehen, zu differenzieren, und nicht zu verallgemeinern. Gerade prominente Politiker sollten dabei mit einem guten Beispiel voran gehen.

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