
„Du machst also Fotos? Fotograf, oder wie? Warum? Was soll denn an dieser Treppe so interessant sein, hmmmm? Und überhaupt: Was machst Du denn dann mit den Bildern?“
„Die poste ich im Internet. Auf Portale, auf denen andere Fotografen auch ihre Bilder veröffentlichen.“
„Und dann?“
„Und dann tauschen wir uns aus. Geben uns Tipps. Wie bei jedem anderen Hobby halt auch.“
…und genau so mache ich es tatsächlich: Ich fotografiere, und poste Bilder im Internet. Ich möchte, daß andere Hobby-, oder Profi-Fotografen meine Fotos sehen. Ich bin dabei nicht süchtig nach likes. Sachliche Kritik ist genauso willkommen, wie ein ernst gemeintes Lob. Doch die Frage stellt sich gerade in der heutigen Zeit, wo man seine Werke veröffentlichen soll.
Gehört man nicht zu der großen Gruppe der Smartphone-Knipser, die das Netz mit Selfies, Essens-, und Urlaubsfotos fluten, dann kommen Plattformen ála Instagram, oder Facebook (…was war das nochmal?) vermutlich nicht in Frage. Schließlich macht man ja sowas ähnliches wie Kunst, net wahr? Da soll der Rahmen passen, in den man sein Meisterwerk einspannt. Sucht man ernsthaft im Netz, dann wird man bei einigen Anbietern fündig, die diese Rahmen zur Miete anbieten. Die Unterschiede dabei sind jedoch nicht gering. Deswegen berichte ich folgend wie es mir ergangen ist, als ich vom Kelch der Erkenntnis getrunken habe.
Die großen Drei
Sucht man nach Fotosharing-Plattformen, wird man meist zuerst, und danach immer wieder zu den bekannten Größen geleitet: Flickr (der Platzhirsch), 500px (die angebliche Alternative), und die Fotocommunity (das deutsche Pendant – erkennbar am neudeutschen Namen).
Und ja: Ich bin bei Flickr. Die großen Vorteile meiner Meinung nach:
- die riesige, globale Reichweite
- ein ansprechendes Design
- einfache Bedienbarkeit
- in der Regel hohe Nettiquette
- Kostenloser Account für bis zu 1000 Bilder, dabei mit moderater Werbung
- Pro-Abo ab derzeit 6,17€ bei zwei-Jahres-Vertrag ohne Werbung, und mit einigen Extras
- Favorisierte Bilder können in Galerien, und eigene Fotos in Alben sortiert werden (sehr praktisch für die Übersichtlichkeit)
- Slideshow auch bei kostenlosen Accounts vorhanden.
Auch 500px habe ich ausprobiert, bin jedoch nicht dort geblieben. Zwar ist dieser Anbieter einen Tick günstiger als Flickr (aktuell ca. 4€ pro Monat Aktionspreis bei einem Jahresabo), hat eine schön designte Oberfläche, und ist einfach zu bedienen. Leider treiben sich dort jedoch auch eine Menge Leute herum, die entweder die Seite mit KI-slope fluten, und/oder weniger ansehnliche Fotos im Insta-Stil dort posten. Überdies hinaus wird man auch häufig von Bots angeschrieben, deren Ansinnen meist dem Angeschriebenen nicht zugetan sind. Deswegen von mir hier keine Empfehlung.
Der Letzte hier im Bunde ist die Fotocommunity.de, ein Anbieter aus Deutschland – also schon mal ein großes Plus, da ich davon ausgehe, daß der Datenschutz, und die Datensicherheit hier besonders gut sind.
Meiner Erfahrung nach, findet man hier sehr schnell Anschluß. Die Bestands-Kunden sind offen für neue Fotografen, und die Kommentare waren bei mir durchweg freundlich, und interessiert. Darüber hinaus bietet die Seite eine Menge Möglichkeiten an, sich außerhalb der Plattform mit anderen im echten Leben zu treffen, und auszutauschen. Auf keiner anderen Seite habe ich so schnell sehr viele Besucher auf meinem Account, und meinen Fotos gehabt. Die Bilder empfand ich überwiegend sehr professionell gemacht, was einen Neueinsteiger eventuell abschrecken könnte. Da ich leider ein Sparfuchs bin, war mir die Sache ehrlich gesagt ein wenig zu teuer. Neben der stark eingeschränkten Free-Variante startet man hier bei 4,99€, darf dann insgesamt dort 350 Fotos hochladen, zu Häppchen von 10 Fotos pro Woche. Für 6,99€/Monat steigert sich das Ganze auf 2000 Bilder pro Nutzer, und 15 Updoads/Woche.
Die Nischen-Anbieter
…kann ich beim besten Willen nicht alle hier aufzählen – ich möchte Euch ja auch nicht langweilen!
Vor einigen Monaten bin ich jedoch im Zuge der #Did, also der Sache mit der digitalen Unabhängigkeit (…ihr erinnert Euch: Trump, Musk, Big Tech, etc….) über eine mir Dato unbekannte Internet-Option gestoßen, die sich das Fedivers nennt. Kurz gesagt: Statt einem privaten Anbieter für ein Internet-Angebot verteilt sich die Sache auf viele kleinere, oft selbst gehostete Server, verstreut über den ganzen Globus. So wird sichergestellt, daß nicht eine einzelne Person, oder ein einzelnes Unternehmen alle Macht in Händen hält, und vielleicht dann auf die dunkle Seite der Macht wechselt („…mein junger Pavianschüler…“ – oh, hoppla: ich streife mal wieder ab!). Von dieser Sache, also nicht Krieg der Sterne, sondern dem Fedivers, bin ich zwischenzeitlich ein großer Fan. Und auch hier gibt es Angebote für Fotografen.
Pixelfed ist wohl das bekannteste davon. Ich habe keinen Insta-Konto! Ungeachtet davon habe ich oft im Netz gelesen, daß man dieses Angebot damit vergleichen kann. Aber auch als Fotograf ist das ein interessantes Angebot, wo man nach Erstellung eines Kontos auf einem Server seiner Wahl Fotos veröffentlichen kann. Das tolle dabei ist, daß diese Fotos durch das ActivityPub-Protokoll auf anderen Fedivers Angeboten sichbar werden, sobald man dem User folgt. So erscheinen Publikationen in Pixelfed auch bei Mastodon (social network ála Facebook), Lemmy, Friendica, oder anderen Seiten im Netz.
Eine Neuentdeckung von mir ist Vernissage.photos (das ’s‘ nicht vergessen!). Eine Seite, die tatsächlich sehr Fickr, oder 500px von der Aufmachung ähnelt. Dort bin ich aktuell, um ein wenig herum zu experimentieren. Eine Sache, die dort (noch!) nicht angeboten wird, sind Slideshows, und Alben, in denen man seine eigenen, oder fremde Lieblingsbilder einsortieren kann. Wenn man sich dort anmeldet, ist das Angebot bisher kostenlos. Der Betreiber(in) legt jedoch die Kosten dar, und die sind wohl aktuell höher, als Einnahmen durch Nutzer des Portals. Ich hoffe, das ändert sich, damit die Seite weiter betrieben werden kann. Sollte man die Seite supporten wollen, kann man das über Patreon machen. Das günstigste Abo startet hier für wirklich günstige 3 Euronen!
Dazu noch eine kleine Anmerkung meinerseits: Ich glaube, wir müssen uns darüber klar werden, daß Seiten im Internet Geld kosten. Deswegen werden wir uns damit anfreunden müssen, sollten wir halbwegs sichere Angebote im Netz nutzen wollen, daß wir dafür Geld ausgeben müssen. Im Fedivers leben einige Hoster davon, daß man ihnen Geld zukommen läßt, und für ein Abo bezahlt. Je nachdem, für welchen Anbieter ich mich letztendlich für’s Foto-hosting entscheide, so werde ich diesen natürlich auch monetär für sein Angebot entlohnen. Ihr sollte auch darüber nachdenken.
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