Alles. Für Dich. Für Mich.

Es ist Sommer! Lange hat es gedauert – gefühlt, viel zu lange. Doch nun sind die bei uns im Geiste verklärten Bilder eines traumhaften Hochsommers Realität geworden. Die Eisdielen, und Freibäder platzen aus allen Nähten, kurze Hose, Röcke, und Leinenhemden haben dicke Jeans uns Pullover entgültig in dunkle Schränke vertrieben, wo sie bis zum Herbst ausharren werden.

Doch kein Licht ohne Schatten. Auch auf die Gefahr hin, das jetzige, sehr frühe Hochsommermärchen zu entzaubern, hat die Sache auch einige Haken…


Vorgestern. Ein Gewitter kündigte sich an. Ideal, um die Regentonnen wieder kostenfrei füllen zu lassen. Meine Blumen werden es mir also sicherlich danken, daß ich sogleich vorsorglich die Dachrinnen reinige, damit möglichst viel Wasser in den Auffangbehältern gesammelt werden kann. Doch oben auf den Hausdach haben sich Bewohner eingenistet. Warum auch immer Wespen das machen: Sie scheinen einen Faible für extrem heiße Behausungen unter Dachplatten zu haben. Und sie verteidigen ihre Einflugschneise wehement. Mein Daumen wurde so ein Opfer eines Angriffs. Keine große Sache. Ein wenig kühlen, ein wenig Creme (Antihistamin), und alles ist gut. Doch nun, zwei Tage später ist mein Daumen dick wie eine Fleischwurst. Das kenne ich von meiner Kindheit in der Form nicht. Doch immer öfter beschleicht mich das Gefühl, daß in der Vergangenheit meist harmlose Vorfälle in der heutigen Zeit weitreichende Folgen haben können.

Dieses Jahr gibt es Zecken ohne Ende. Bestimmt 30 Stück habe ich mir in den letzten Wochen aus der Haut gezogen. Zum Glück entdecke ich die Tiere schon früh, und kann intervenieren. Aber in dieser Häufung kam in den letzten Jahrzehnten dieses Ungeziefer nicht vor. Gegen FSME bin ich geimpft. Eine Borreliose hatte ich jedoch schon zweimal. Denke ich zurück an meine Kindheit und Jugend, in der ich unzählige Urlaube auf einem Bauernhof verbracht habe, hatte ich nie dieses Phänomen beobachten müssen. Es gab schlicht kaum Zecken. Wenn sich tatsächlich jemand eine Zecke eingefangen hatte, war das außergewöhnlich, aber kein Grund für gesundheitliche Bedenken.
Aber das ist nur eines von vielen Beispielen: Der Riesenbärenklau breitet sich immer weiter aus. Die Tigermücke verbreitet Angst, Schrecken, und wenn es blöd läuft, auch Malaria. Ein Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff. Microplasik in Lebensmitteln. Allergien häufen sich. Trinkwasser wird knapp, und Unwetter dafür häufiger. Und weil das alles nicht reicht, denken wir nun auch noch darüber nach, neue Gaskraftwerke, und Atomreaktoren zu bauen.

Ich habe den Eindruck, die Welt wird für uns Humanoiden immer lebensfeindlicher. Schaut man sich an, wer, und was alles nach der eigenen Gesundheit trachtet, wundere ich mich, daß wir nicht reihenweise das Zeitliche segnen. Wie uns jedoch Corona gezeigt hat, ist diese Grenze näher, als wir es in unserer Naivität eingestehen.
Vielleicht werden unsere Mitbewohner auf dem Planeten auch deswegen immer gefährlicher für uns: Weil die Natur von uns die Schnauze voll hat – dabei kann ich sie gut verstehen!


Falls ich es erleben werde, dann bin ich schon sehr gespannt darauf zu sehen, welches Ereignis so drastisch für uns als Menschen ist, daß wir ernsthaft etwas an unserer Lebensart ändern – falls wir das je tun werden.

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